Unten das älteste Fahrzeug, Ford T Tin Lizzy, 1922. Darüber li.
der rechtsgesteuerte britische Vorkriegsrennwagen Alvis, 1938.
Der Plymouth-Straßenkreuzer der US-60er hat die typischen Haiflossen. esk/Fotos (5): Heigl

Dachau
Sie hatten Schirm und Werkzeugkiste eingepackt, damit der Sonnenschein bliebe und der Handy-Notruf des vereinseigenen Abschleppwagens nicht gebraucht würde:AmSonntag trafen sich die Freunde alter Fahrzeuge Dachau e. V. mit Gästen zur 47. Ausfahrt, und die Verdecke der zahlreichen Cabrios konnten den ganzen Tag offen bleiben – das erste Mal nach langer Zeit. Entsprechend hoch war die Teilnehmerzahl: Rund hundert Autos und Motorräder wurden geschätzt, bis aus Kempten und Eichstätt.Die gut 90 Kilometer lange Strecke führte auf wenig befahrenen Straßen durch den Landkreis Richtung Pfaffenhofen/Ilm mit Mittagsrast beim Wirt z’ Linda in Lindach/ Hardt; sie endete im Garten des Vereinslokals in Arzbach. Dort wurden Präsente verteilt und Trostpreise: Jeder erhielt ein kleines Notfallset, etwa für den blauen Daumen, wenn ein Verdeck oder eine Motorhaube klemmt. Im Gasthaus Kiermeir, Arzbach, treffen sich die Freunde alter Fahrzeuge (FAF) um Vorsitzenden Karl Goeb und Stellvertreter Hans Böck, beide Dachau, jeweils am ersten Dienstag des Monats von 20 Uhr an zum Stammtisch. Da wird gefachsimpelt, man plant Ausfahrten wie die 48. am Sonntag, 5. September, wieder ab Kaufland-Parkplatz Dachau-Ost, Danziger Straße. Oder man schwelgt in Erinnerungen an den Besuch der diesjährigen historischen Rallye Mille Miglia. Die Dachauer charterten wie schon 1996, ’98 und 2001 einen Bus der ebenfalls für Oldtimer begeisterten Familie Simperl und besuchten an den drei Tagen den Start in Brescia, die verwinkelte Stadtdurchfahrt durch San Marino und die Rennstrecke am Futa-Pass nördlich von Florenz. Nach einem italienischen Picknick dort trat der ausgebuchte Bus die nächtliche Rückfahrt nach Dachau an. „Das ist mein Zweitwagen. Mein erstes Fortbewegungsmittel ist ein Tornado.“ Und der ist abgebildet auf dem mintgrünen Ford Modell
A von 1928 mit ausklappbarem Schwiegermuttersitz hinter der Passagierkabine. Die Hupe, ein Schalltrichter, sitzt zwischen Kotflügel und Kühlergrill, die Frontscheinwerfer sindmit einemMetalllid vor Niederschlag geschützt. Der FordAist nicht das älteste Fahrzeug dieser Ausfahrt: Der Titel gebührt der Tin Lizzy von 1922, ebenfalls ein Ford, Modell T, eine richtige Benzinkutsche mit großen Speichenrädern. Dass man mit solchen Autos, ebenso den alten Motorrädern,
Drei Fiat-Topolino oder Messerschmidt- Kabinenroller passen bequem neben den Straßenkreuzer Ford Fairlane 500 mit Stahlschiebedach oder den Plymouth. Die Einladung zum Blumenpflücken im Evergreen nehmen die alten Autos wörtlich. In vielen hängt die Vase am Armaturenbrett: So im Aero-Cabrio von 1934 aus Prag, das fast keine Ausfahrt auslässt. Der Adenauer-Mercedes 1953 und der 170 S von 1952 sind ebenfalls Schmuckstücke. Der Kleinwagen Lloyd Alexander TS weckt viele Erinnerungen; heute ist er bereits Legende, ebenso wie die 50-jährige Borgward Isabella.
die Landschaft genießerisch langsam an sich vorbeiziehen lässt und nicht testet, was der Motor hergibt, versteht sich von selbst. Das gilt auch für den britischen Vorkriegsboliden Alvis FGO 82 von 1938, obwohl der Rennbahn- und Rallye-erprobt ist. Über dem rechten Vorderrad, für Fahrer Hans Böck am rechtsgesteuerten Roadster gut zu erreichen, hängt der alte Tuchrucksack mit allem, was man unterwegs braucht. Die Lederkappe blieb zuhause, schließlich wird heute gezuckelt. Höchstens die Auspuffgase des Vordermanns mögen mitunter den Fahrspaß in der Kolonne mindern.Auf dem Parkplatz der Längentest:
Fahrende Legenden der Autoindustrie
Von Eva S. Klimt (Süddeutsche Zeitung)

Blumenpflücken erlaubt im Corso der Straßenveteranen

47. Ausfahrt der Oldtimerfreunde im Wetterglück / Rund hundert Teilnehmer auf zwei bis vier Räder