Dachau
Sie hatten Schirm und Werkzeugkiste eingepackt, damit der Sonnenschein bliebe
und der Handy-Notruf des vereinseigenen Abschleppwagens nicht gebraucht würde:AmSonntag
trafen sich die Freunde alter Fahrzeuge Dachau e. V. mit Gästen zur 47.
Ausfahrt, und die Verdecke der zahlreichen Cabrios konnten den ganzen Tag offen
bleiben – das erste Mal nach langer Zeit. Entsprechend hoch war die Teilnehmerzahl:
Rund hundert Autos und Motorräder wurden geschätzt, bis aus Kempten
und Eichstätt.Die gut 90 Kilometer lange Strecke führte auf wenig
befahrenen Straßen durch den Landkreis Richtung Pfaffenhofen/Ilm mit Mittagsrast
beim Wirt z’ Linda in Lindach/ Hardt; sie endete im Garten des Vereinslokals
in Arzbach. Dort wurden Präsente verteilt und Trostpreise: Jeder erhielt
ein kleines Notfallset, etwa für den blauen Daumen, wenn ein Verdeck oder
eine Motorhaube klemmt. Im Gasthaus Kiermeir, Arzbach, treffen sich die Freunde
alter Fahrzeuge (FAF) um Vorsitzenden Karl Goeb und Stellvertreter Hans Böck,
beide Dachau, jeweils am ersten Dienstag des Monats von 20 Uhr an zum Stammtisch.
Da wird gefachsimpelt, man plant Ausfahrten wie die 48. am Sonntag, 5. September,
wieder ab Kaufland-Parkplatz Dachau-Ost, Danziger Straße. Oder man schwelgt
in Erinnerungen an den Besuch der diesjährigen historischen Rallye Mille
Miglia. Die Dachauer charterten wie schon 1996, ’98 und 2001 einen Bus
der ebenfalls für Oldtimer begeisterten Familie Simperl und besuchten an
den drei Tagen den Start in Brescia, die verwinkelte Stadtdurchfahrt durch San
Marino und die Rennstrecke am Futa-Pass nördlich von Florenz. Nach einem
italienischen Picknick dort trat der ausgebuchte Bus die nächtliche Rückfahrt
nach Dachau an. „Das ist mein Zweitwagen. Mein erstes Fortbewegungsmittel
ist ein Tornado.“ Und der ist abgebildet auf dem mintgrünen Ford
Modell
A von 1928 mit ausklappbarem Schwiegermuttersitz hinter der Passagierkabine.
Die Hupe, ein Schalltrichter, sitzt zwischen Kotflügel und Kühlergrill,
die Frontscheinwerfer sindmit einemMetalllid vor Niederschlag geschützt.
Der FordAist nicht das älteste Fahrzeug dieser Ausfahrt: Der Titel gebührt
der Tin Lizzy von 1922, ebenfalls ein Ford, Modell T, eine richtige Benzinkutsche
mit großen Speichenrädern. Dass man mit solchen Autos, ebenso den
alten Motorrädern,
Drei Fiat-Topolino oder Messerschmidt- Kabinenroller passen bequem neben den
Straßenkreuzer Ford Fairlane 500 mit Stahlschiebedach oder den Plymouth.
Die Einladung zum Blumenpflücken im Evergreen nehmen die alten Autos wörtlich.
In vielen hängt die Vase am Armaturenbrett: So im Aero-Cabrio von 1934
aus Prag, das fast keine Ausfahrt auslässt. Der Adenauer-Mercedes 1953
und der 170 S von 1952 sind ebenfalls Schmuckstücke. Der Kleinwagen Lloyd
Alexander TS weckt viele Erinnerungen; heute ist er bereits Legende, ebenso
wie die 50-jährige Borgward Isabella.
die
Landschaft genießerisch langsam an sich vorbeiziehen lässt und nicht
testet, was der Motor hergibt, versteht sich von selbst. Das gilt auch für
den britischen Vorkriegsboliden Alvis FGO 82 von 1938, obwohl der Rennbahn-
und Rallye-erprobt ist. Über dem rechten Vorderrad, für Fahrer Hans
Böck am rechtsgesteuerten Roadster gut zu erreichen, hängt der alte
Tuchrucksack mit allem, was man unterwegs braucht. Die Lederkappe blieb zuhause,
schließlich wird heute gezuckelt. Höchstens die Auspuffgase des Vordermanns
mögen mitunter den Fahrspaß in der Kolonne mindern.Auf dem Parkplatz
der Längentest: